Gut ausgeruht und frisch geduscht mache ich mich im Frühstücksraum meines tollen Blockhaushotels daran, die Übernachtungen für die nächsten Tage zu planen. Ich weiss, dass es schwer wird, so kurzfristig eine Couch zu bekommen, doch die Hoffung stirbt zu letzt, und so schreibe ich bevorzugt an Leute, die eine hohe Antwortrate und kurze Antwortzeiten haben.

Ich probiere den norwegischen Krabbenkäse (Oder heisst es Käsekrabben?) aus der Tube, aber der Geschmack überzeugt mich nicht. Stattdessen nehme ich Lachs, was sonst? Danach sattle ich mein Pferd und los geht’s im Nieselregen in Richtung Aalesund. Einmal mehr ohne zu wissen, wo ich die nächste Nacht verbringen werde.

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Der Regen macht mir nichts aus, doch es könnte ein bisschen wärmer sein. Habe ich mich schon so an die tolle Landschaft gewöhnt, oder ist es hier gar nicht mehr so toll? Noch während ich über die Frage nachgrübele, sehe ich ein Hinweisschild zu einem Wasserfall. Die willkommene Abwechslung nehme ich gerne an, und nach zehn Minuten Fussmarsch habe ich den Wasserfall für mich alleine. AA-20130613-3972

Auf dem Weg zu einem weiteren Wasserfall an der Strecke muss ich ca. 2 km Schotterpiste durch den Wald fahren. Eine gute Übung für die immer schlechter werdenden Strassen. Trotzdem ist Driften mit dem vielen Gepäck und dem hohen Schwerpunkt kein Thema für mich. AA-20130613-3978Beim Strassenzustand merkt man nichts davon, dass Norwegen eins der reichsten Länder der Welt ist. Bei tiefen Spurrillen und vielen aufgebrochenen Längsrissen im Asphalt ist es auch oft schwer eine gute Linie zu finden. Ich nehme das alles als Training hin, und so werde ich langsam aber sicher Meister darin, trotz Schräglage Spurrillen zu wechseln und Längsrissen auszuweichen. Auch die strikten Tempolimits tragen ihren Teil dazu bei, dass es bisher nie zu brenzligen Situationen kam.

Bei jeder Fähre checke ich meine Mails und freue mich, als ich für die nächsten beiden Tage kurzfristig Zusagen für eine Couch in Aalesund und in Kristiansund gefunden habe. Meine Laune bessert sich, und mit ihr auch das Wetter. Trotzdem muss ich unbedingt mal wieder irgendwo für ein paar Tage bleiben, denn jeden Tag aufs Neue die Sachen zu packen und mich auf einen neuen Gastgeber einzustellen ist zeitraubend und anstrengend. Ich möchte einfach auch mal irgendwo sein und nicht immer nur weiterfahren. AA-20130613-1855

In Aalesund geht dann wieder die Suche nach dem richtigen Haus los. Die Strasse habe ich gefunden, da sie aber viele Abzweige hat, die den gleichen Strassennamen haben, ist es nicht ganz einfach. Ein Telefonat mit Soo Me klärt die Sache und so komme ich schliesslich bei meiner bisher luxuriösesten Couch an. AA-20130614-1886

Mein Moped darf in die Garage und bevor ich richtig Hallo sagen kann, zeigt mir Soo Me mein eigenes Badezimmer und schickt mich unter die Dusche. Während ich mich abtrockne steigen mir schon sensationelle Düfte in die Nase und ich kann mich gleich an den gedeckten Tisch setzen, wo mir ein köstliches asiatisches Menü serviert wird. Sogar aus vier Sorten Bier darf ich auswählen. Ich bin einfach nur baff und sprachlos von der überwältigenden Gastfreundschaft, der ich hier begegne.

Soo Me stammt aus Südkorea und so reden wir bis spät in die Nacht über Politik und die Paralleleln zwischen Korea und Deutschland, über das Schicksal geteilter Länder und die Chancen und Auswirkungen einer Wiedervereinigung nach langen Jahren des Auseinanderdriftens.

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