Die Vögel auf der kleinen Insel vor meinem Guesthaus haben die ganze Nacht geschrien, aber eigenartigerweise hat es mich nicht gestört und ich habe – wie immer, seit ich unterwegs bin – geschlafen, wie ein Murmeltier. Erst beim Frühstück entscheide ich, dass ich weiterfahren werde. Wohin genau, werde ich unterwegs entscheiden, deshalb buche ich auch noch keine Unterkunft.

Los geht’s, zu den Trümmern der Sowjetunion. Ich will mir den alten Militärflugplatz anschauen und vielleicht auch mal über die 2,5km lange Startbahn brettern. Doch vorher muss ich mir noch ein paar Lokomotiven, die am längst geschlossenen Bahnhof ausgestellt sind, anschauen. Na ja, ich hatte ein bisschen mehr erwartet. AA-20130707-6934

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Die Zufahrt zum Flugplatz ist mit Einschränkung verboten. Das Verbotsschild kenne ich, aber mit dem Text darunter kann ich nix anfangen. Was soll’s, der Platz wird schon nicht vermint sein, also fahre ich los. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht. Ein paar zugewachsene Ruinen und eine Müllhalde. Doch dann kommt die erstaunlich gut aussehende Betonstartbahn. Die Flugzeugbunker daneben sind auch noch gut erhalten. Als mir beim Verlassen des Geländes ein paar getunte Autos entgegen kommen, verstehe ich, wieso die Piste so gut in Schuss ist. Sie wird wohl gepflegt und dient als inoffizielle Rennbahn. Abends beim Anschauen des GPS Tracks sehe ich dann, dass ich nicht mal an der Startbahn war, sondern nur einen Taxiway gesehen habe. AA-20130707-2722

Da ich zur Insel Sareemaa will, heisst mein nächstes grösseres Ziel Virtsu. Das Navi ist programmiert, aber immer wieder verlasse ich die Hauptstrasse, und fahre über geschotterte Nebenstrassen. Die Pisten hier sind meistens in sehr gutem Zustand und haben keine engen Kurven. Ideal zum Üben, denke ich mir, wer weiss, was mir in der Ukraine oder Albanien noch bevorsteht. DCIM100GOPRO

Immer wieder fahre ich dann auf kleinen Stichstrassen in Richtung Meer. Je kleiner die Strassen werden, desto interessanter werden auch die Ruinen aus Sowjet-Zeiten. Da sind einzelne Häuser hübsch hergerichtet, und daneben steht der Rest der ehemaligen Kolchose und ist halb verfallen. Meistens gehören zu einem solchen Ensemble auch noch ein Landmaschinenmuseum oder ein paar ausgeschlachtete Autos. Mir gefällt’s. AA-20130707-2747

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Bei einem Abstecher wage ich es dann auch einmal, die Wassertemperatur mit der Hand zu prüfen und könnte mir durchaus vorstellen, Baden zu gehe. Doch irgendwie habe ich keine Lust auf Abkühlung, dann beim Fahren ist es auch schon frisch genug. An einem kleinen Kiosk unterwegs gibt es für 2,50 EUR einen richtigen Kaffee und 1,5l Mineralwasser. So billig hab ich das bisher noch nie gesehen. Als ich weiterfahre, sehe ich dann noch, dass sie auch Soljanka (die hier Seljanka heisst) gehabt hätten. Da werde ich bei nächster Gelegenheit zuschlagen denke ich mir noch und fahre weiter.

Die Gelegenheit kommt schnell und zwar in Form eines Cafés mit Beachvolleyball-Feldern und einem kleinen Hafen. Der Chef begrüsst mich auf deutsch und weist mich darauf hin, dass er neben dem, was auf der Karte steht auch noch diese „rote russische Summe namens Seljanka“ hat. Bingo. die Saure Suppe schmeckt nicht ganz so gut, wie ich sie in Erinnerung hatte, aber Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Schnell ist der Teller leergelöffelt und ich schaue mir noch ein interessantes Wasserfahrzeug an. Tretboot, Mississippi-Lounge-Style. AA-20130707-2766
Auf der Weiterfahrt springt mir ein Schild von einem B&B ins Auge. Da ich keine grosse Lust mehr zum Weiterfahren habe, buche ich für 20 EUR eine kleine Blockhütte incl. Frühstück und für 7 EUR extra bekomme ich auch noch einen riesigen Elchburger mit reichlich Gurken-Tomatensalat aus dem eigenen kleinen Gewächshaus.