Ich muss lachen, als mir mein Vermieter am Morgen noch eine Rafting-Tour auf der Soca verkaufen will. Als ich ihm entgegne, dass ich viele male mit dem Kajak auf der Soca gefahren bin, gesteht er, dass sich sowas schon gedacht hatte, weil er den Aufkleber von LaOla Bovec auf meiner Alukiste gesehen hat. Aber er macht halt auch nur seinen Job, und dazu gehöre nun mal auch das Verkaufen von Rafting Touren. Ob er auch versuchen würde, einem Motorrdfahrer eine Passfahrt in einem Reisebus zu verkaufen? AA-20130821-2805

Passfahrten, ja das ist mein Thema für die nächsten beiden Tage. Zum grossen Finale meiner Tour geht es über möglichst viele Pässe und darauf freue ich mich schon seit ich vor einem knappen viertel Jahr von zu hause abgefahren bin. Mein erstes Ziel heisst Vršič in den Julischen Alpen durch den Triglav Nationinalpark. DCIM100GOPRO

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Auf dem Pass ist schon mächtig was los. Ich überhole nicht nur viele Fahrradfahrer, es kommen mir auch schon viele Rennräder entgegen. Die müssen schon ziemlich früh die steile Nordrampe von Kranjska Gora aus hochgeklettert sein.

Die berüchtigte Nordrampe ist in einigen sehr steilen Kehren nicht asphaltiert, sondern gepflastert. Bei Regen wäre das sicher nicht lustig gewesen, aber dann hätte ich auch auf den weniger spektakulären Predil ausweichen können, den ich schon viele male mit dem Kajak auf dem Dachträger gefahren bin.DCIM100GOPRO

Weiter geht es nach Italien zur engen und holprigen Südrampe des Nassfeld-Passes, der ins Gailtal nach Österreich führt. Zunächst verpasse ich die Abfahrt in Pontebbia, weil ich ohne Karte unterwegs bin und auch den Pass nicht im Navi programiert hab. Dass ich statt einer Karte nur eine grobe Ahnung meiner heutigen Route im Kopf habe, wird später noch einmal zu Problemen führen. Immerhin weiss ich, dass ich irgendwie nach Cortina d’Ampezzo will, und jeder Weg dorthin wird kurvig und schön sein und voller spektakulärer Aussichten auf die steilen Wände der Dolomiten.DCIM100GOPRO

Auf der Nassfeld-Passhöhe mache ich meine Mittagspause und gönne mir einen Teller leckere Pasta, um mich für den Nachmittag zu stärken. Dass die Portion ein bisschen zu gross war merke ich daran, dass ich die Abfahrt auf der sehr gut ausgebauten Nordrampe nicht richtig geniessen kann, weil ich sehr träge auf dem Bock sitze und es irgendwie nicht flüssig laufen will. DCIM100GOPRO

Im Gailtal ist dann die B111 gesperrt und der Verkehr wird über eine kleine Nebenstrasse umgeleitet, bis es dann bei Kötschach-Mauthen wieder uf einen Pass geht. Der Plöckenpass führt auf einer Piste, deren Belag  an manchen Stellen rumänische Nebenstrassen in den Schatten stellt wieder nach Italien. DCIM100GOPRO

Die italienische Seite sieht da schon besser aus und vor allem spektakulärer. Die Wand ist so steil, dass die Kehren in Tunneln verlaufen und erinnert mich an die Strecke zwischen Montespluga und Chiavenna, die ich vor zwei Jahren einmal gefahren bin. DCIM100GOPRO

Über zwei weitere Pässe geht es dann durch die immer schöner werdenden Dolomiten in Richtung Cortina d’Ampezzo. Ich bin begeistert, denn seit Norwegen bin ich nicht mehr durch eine so wunderbare Landschaft gefahren.DCIM100GOPRO

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Als ich nach an meinem geplanten Tagesziel Cortina d’Ampezzo ankomme, weiss ich sofort, dass ich in diesem völlig überlaufnen und staugeplagten Ort nicht bleiben will und programmiere Bolzano in mein Navi ein. Auf der Strecke dort hin werde ich sicher ein ruhigeres Plätzchen für meine letzte Übernachtung finden. So fahre ich in einem einzigen lange Stau weiter durch ein atemberaubendes Bergpanorama und kann mich nicht dazu aufraffen in einem der Orte nach einer Unterkunft zu suchen. AA-20130821-2864

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Irgendwie macht es mich stutzig, dass ich die ganze Zeit über mit der Abendsonne im Rücken nach Osten Fahre, Bozen aber im Westen von Cortina liegt und viel zu spät merke ich, dass ich das falsche Bolzano einprogrammiert hatte.

Einerseits ärgere ich mich über den Umweg, andererseits geniesse ich die Fahrt durch die spektakuläre Landschaft. Doch statt mir vor Einbruch der Dunkelheit dann in Belluno ein Zimmer zu suchen, beschliesse ich euphorisch weiter in die Berge zu fahren. In dem engen Tal kommen aber statt einer Ortschaft immer nur Wildwechselwarnschilder, die mich angesichts der einsetzenden Dämmerung sehr nervös machen. DCIM100GOPRO

In der ersten Ortschaft Agordo, die mir auch nicht sonderlich gut gefällt, mache ich mich dann auf die Suche nach einem Zimmer und erfahre, dass alles ausgebucht ist. In einem Hotel bietet man mir eine Notfallunterkunft auf einem Zustellbett in einem Saal an. Ich fahre noch ein paar Hotels an, resigniere aber schlisslich und nehme das Notfallangebot an.

Eigentlich hatte ich mir für die letzte Nacht der Tour etwas luxuriöseres vorgestellt. Aber was soll’s, morgen werde ich in meinem eigenen Bett schlafen.

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