Die Nacht im Mehrbettzimmer war nicht besonders angenehm. Ein gleichmässiger Schnarcher und eine ungleichmässige Schnarcherin haben mich immer wieder aufgeweckt bzw. lange nicht einschlafen lassen. Zum ersten mal auf meiner Tour war ich sauer, doch irgendwie hab ich dann doch schlafen könnnen, und die Belohnung beim ersten Blick aus dem Fenster, hat mich die Schnarchorgien schnell wieder vergessen lassen. AA-20130612-1799

Im unberührten, spiegelglatten See vor der Hütte spiegeln sich die Wolken so traumhaft schön, dass es kaum zu glauben ist. Auf dem Weg zum Frühstück wird es mit jeder Minute besser, bis dann irgendwann kleine Wellen dem Schauspiel ein Ende bereiten.

Beim Frühstück checke ich nochmal meine Couchrequests für Bergen, aber leider gibt es nur Absagen oder einfach nur keine Antworten. Auch in den Hostels in Bergen und bei AirBnB gibt es kein Bett für die kommenden Tage. Egal, ich denke mir, ich fahr einfach mal los. Unterwegs wird es sicher noch ein Motel oder ein Schild zu einem Gästezimmer geben.

Wie angekündigt fängt es dann um kurz nach 14:00 Uhr zu regnen an. Also rein in die Regenjacke, und weiter. Das Anziehen der Jacke ist ziehmlich mühsam, weil ich immer wieder im Netzfutter hängenbleibe oder sich das Futter im Klettverschluss der Handschuhe verfängt. Auch das Bezahlen auf den vielen Fähren ist unangenehm, weil ich dann immer irgendwie zuerst aus den Handschuhen und danach die Jacke wieder über die Handschuhe fummeln muss. Von diesen unangenehmen Kleinigkeiten abgesehen, war das Fahren im Regen – auch in Schräglage – aber kein Problem. Die Schräglagen im Regen hab ja auch ausgiebig in zwei Sicherheitstrainings üben können. Und seit ich das Netzfutter aus der Jacke rausgeschnitten hab, geht auch das An- und Ausziehen prima.AA-20130612-1818

In Bergen angekommen versuche ich dann nochmal verzweifelt ein Zimmer zu finden, als mir aber eine Frau an einer Tankstelle sagt, dass das Bergenfest heute anfängt, wird mir klar, warum alles ausgebucht ist, und so beschliesse ich, die (angeblich) schönste Stadt Norwegens zu überspringen. Was bleibt mir auch andres übrüg, schliessslich ist es schon bald acht Uhr. Ich fahre also weiter, denn dunkel wird es ja ohnehin nicht mehr.

Apropos dunkel: Beim meinem Spiegelbild in der Heckscheibe eines Autos fällt mir auf, dass meine Zusatzscheinwerfer nicht mehr leuchten. Der Motobozzo-Switch funktioniert aber noch, denn die Funktions LED kann ich ein- und ausschalten. Wenn’s die Sicherung rausgehauen hätte, würde das wahrscheinlich nicht mehr gehn. Oder doch? Da ich die komplette Tankatrappenverkleidung demontieren müsste, um an die Sicherung zu kommen, kann ich das jetzt ohnehin nicht ausprobieren. Vielleicht sind ja tatsächlich beide Birnen durchgebrannt. Die wären einfacher zu wechseln, aber leider hab ich nur Ersatzbirnen für den Hauptscheinwerfer dabei. 🙁 Irgendwie ist heute echt der Wurm drin.

So fahre ich also weiter von Bergen Richtung Norden, biege auf eine als sehenswert markierte Nebenstrasse ab und hoffe, dass ich irgendwann auf ein “Zimmer frei” Schild treffen werde. Aber solche Schilder gibt es in diesem wunderschönen Land wohl nicht. Mental bereite ich mich schon darauf vor, mein Zelt einzuweihen, aber ich habe wirklich keine Lust, morgen früh ein nasses Zelt einzupacken.

Auf einer kleinen Fähre frage ich dann den Fährmann nach einem Hotel und er zeigt mir Brekke auf der Karte. Mein Navi findet den Ort mal wieder nicht, aber egal, ich hab ja die Karte auf dem Tankrucksack und werde das Dorf auch so finden. Auch OpenStreetMap lässt mich also heute im Stich, und so beschliesse ich, ein Garmin Kartenupdate für ganz Europa zu kaufen, da mir die fehlenden Ortschaften und falschen Adressen meiner Gastgeber langsam auf die Nerven gehn. AA-20130612-1826

Die 30km im Regen über einen kleinen schönen Pass kann ich nicht mehr geniessen, da ich langsam müde werde. Seit fast zehn Stunden sitze ich jetzt schon auf dem Bock, doch – ein Lob auf die Komfortsitzbank – der Hintern tut mir nicht weh.

In Brekke angekommen frage ich dann ein paar Leute, die vor dem Dorfladen rauchen und Bier trinken (kommt mir von irgendwo bekannt vor) nach dem Weg und nach zwei weiteren Kurven stehe ich vor einem Hotel, dass mich eher an eine Lodge in Afrika erinnert. Mehrere Blockhütten mit Grasdächern direkt am Fjord, und im Hintergund fährt grad ein Kreuzfahrtschiff vorbei. Das wird nicht billig, denke ich mir noch, aber egal, ich bin angekommen und es gibt ein freies Zimmer. AA-20130612-1830

Anstelle des direkten Zugangs zum Fjord wäre mir ein direkter Zugang ins Gäste-WLAN lieber, aber das ist in meinem Zimmer leider nicht zu empfangen. Was soll’s, ich hab ein Bett und eine Dusche und Steckdosen für meine Ladegeräte.

 

[lg_folder folder=”2013/130612-tourope-008″]