Es ist sehr spät geworden bei den Pet Shop Boys gestern, und ich habe keine Lust zu Packen und weiterzufahren. Also frage ich an der Rezeption, ob ich noch einen oder zwei Tage bleiben kann. Leider sind für Samstag Nacht alle Zimmer ausgebucht und ich muss raus. Schade. Es wird 11 bis ich wegkomme, doch ich fahre nur ein paar hundert Meter zu meiner neuen Entdeckung im Gleisdreieck. Im F-hoone werde ich zuerst mal eine Weile chillen und etwas gutes Essen, bevor es endgültig weiter geht. Vor dem Restaurant gibt es einen Kleiderflohmarkt und ich parke mein Moped irgendwie mitten drin. So hab ich die BMW immer im Blick. AA-20130706-2717

Nach einer Stunde bin ich dann endlich wach genug, um zu entscheiden, wohin die Reise geht. Viele Leute haben von der Insel Sareemaa geschwärmt, also werde ich mir diese Insel mal anschauen. Ob ich da heute noch hinkommen werde, ist nicht wichtig, aber die Richtung ist jetzt vorgegeben.

Doch zuerst gibt es noch einen Abstecher in die zu Sowjet-Zeiten verbotene Stadt Paldiski. Hier waren damals Atom U-Boote stationiert und ein Trainingszentrum der Marine gab es auch. Für die zivile Bevölkerung war der Ort deshalb Sperrzone. Ausser ein paar Plattenbauten gibt es nicht viel zu sehen. Am Ende der Halbinsel steht noch ein alter Leuchtturm neben ein paar Ruinen. Das ist alles. AA-20130706-6836
Hinter dem Leuchtturm geht der Weg unbefestigt weiter und so wage ich eine erste Offroad Einlage. Vollgepackt ist das nicht ganz einfach. Besonders in weichem Schotter oder Sand erfordert es viel Kraft, die GS auf Kurs zu halten. Mit mehr Gas geht es zwar etwas besser, aber so alleine in der Wildnis möchte ich keinen Umfaller riskieren, also kehre ich um und fahre vorbei an einem Wald von Windrädern zurück nach Paldiski. DCIM100GOPRO
Von Paldiski aus fahre ich weiter in Richtung Haapsalu. vielleicht werde ich dort übernachten. Ein paar kleine Hotels hab ich mir schon vorgemerkt, denn es fährt sich wesentlich entspannter, wenn man nicht erst in letzter Minute mit dem Suchen nach einer Unterkunft anfangen muss.

Die Landschaft ist topfeben, aber erstaunlich kurvig und der Waldanteil hält sich in Grenzen. Bauern mähen Heu oder pressen grosse Rundballen. Dabei fällt mir auf, dass die Traktoren entweder topmodern oder vorsintflutlich alt und verrostst sind. Dazwischen gibt es nichts. AA-20130706-6848

Über Nebenstrassen komme ich immer wieder ans Meer. Eine klare Küstenlinie gibt es nicht. Meistens liegen zwischen Land und offenem Meer grosse Schilfgebiete und kleinere Inseln. Ein Paradies für Vögel. Zwischendurch gibt es dann immer mal wieder einen kleinen, oft menschenleeren Hafen in dem alter Schrott neben modernen Booten darauf wartet in See zu stechen. AA-20130706-6853

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In Haapsalu angekommen beziehe ich ein winziges Zimmer mit Aussicht auf eine Bucht mit einer Vogelinsel. Von der Vogelkolonie kommt ein Höllenlärm. Die machen scheinbar eine Party, und ich frage mich schon, ob ich bei diesem Krach schlafen kann. AA-20130706-6880

Doch darüber muss ich mir jetzt nicht den Kopf zerbrechen. Stattdessen gehe ich vorbei an schönen Holzhäusern, die teilweise verwahrlost und teilweise liebevoll renoviert sind ins Zentrum, schaue mir die alte Bischofsburg an und suche mir einen Platz zum Abendessen. 

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Nach dem Essen kündigt sich ein sich ein bravouröser Sonnenuntergang an, doch der Blicks aufs offene Meer ist durch Schilfwiesen und die vorgelagerten Vogelinseln verperrt. Wie so oft bei flacher Landschaft muss ich an den alten Kameramann Spruch “Vordergrund macht Bild gesund” denken. Dann such ich mir eben eine Perspektive mit genug Vordergrund, denn nur Sonne und Himmel wären ja nicht wirklich spannend.AA-20130706-6920

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