Schon länger hat es mich gejuckt, einmal ein paar Tage am Stück wandern zu gehn. Jetzt hab ich’s getan und bin insgesamt über 70km auf dem Jakobsweg durch die Schweiz gewandert.

Los geht es am Mittag in Pfäffikon am Zürichsee. Die erste Etappe soll zum Warmlaufen sein. Da ich am Tag zuvor schon 10 km zu Fuss unterwegs war, wäre das eigentlich nicht nötig gewesen, doch ich muss ja erst mal nach Pfäffikon anreisen und will angesichts der Strapazen die mir bevor stehen, nicht all zu früh aufstehn.

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Zunächst geht es mal eine ganze Weile auf einem gut ausgeschilderten Weg steil aufwärts. Am Luegeten gibt es einen letzten Blick auf den See, der jetzt schon weit unter mir im Dunst liegt, obwohl ja eigentlich strahlender Sonnenschein angekündigt war. Die Temperatur lässt auch zu Wünschen übrig, doch der Aufstieg bringt mich auch so zum Schwitzen.

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Meine Freude über den flacher werdenen Anstieg währt leider nicht besonders lange, denn schon bald wird es wieder steiler, und zwar noch steiler und unbequemer als zuvor. Dazu kommen noch vereinzelte kleine Schneefelder, mit denen ich hier nicht mehr gerechnet hatte, denn daheim im Rheintal ist schon bis 1’300 m kein Schnee mehr zu sehen.

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Da der Wanderweg auf dem letzten Anstieg zum Etzel komplett im pampigen, matschigen Schnee liegt, bin ich froh, dass ich hier über die asphaltierte Strasse laufen kann.

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Kurz hinter dem Etzel geht es dann über die Teufelsbrücke vorbei am Geburtsort des berühmten Paracelsus.

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Nach einem weiteren gemächlichen Anstieg führt der Wanderweg nun wieder weg von der Strasse, und ich stehe vor meinem ersten grösseren Schneefeld. Von unten noch gefroren und oben schön angetaut ist der Weg ziemlich fies. Mit Stöcken, Schneeschuhen oder Spikes wäre es kein Problem, aber nur mit Wanderschuhen wird es zu einem ausgesprochen heiklen Eiertanz.

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Nachdem ich wieder festen Boden under den Füssen habe, geht es weiter über eine Hochebene. Dort weht ein ungemütlich kalter Wind und ich muss mich warm einpacken und vermummen. Doch auch das, genau wie schon vorher der Schnee, stört mich nur am Rande. Irgendwie ist es wie ein Flow. Ein Schritt folgt auf den anderen, die Gedanken kreisen, und alles Unangenehme ist unwichtig.

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Wie ferngesteuert laufen meine Füsse die letzten zwei Kilometer nach Einsiedeln, und ich wundere mich darüber, dass die erste Etappe schon hinter mir liegt. Ich überlege noch kurz, ob ich weiter laufen soll, doch ich bin mir nicht sicher, ob ich unterwegs noch eine Unterkuft finden werde und so beschliesse ich, in Einsiedeln zu bleiben.

Der Rundgang durch die Klosterkirche, in der man leider nicht fotografieren darf, und und in der zu viel Wachpersonal in Mönchskutten unterwegs ist um es trotzdem zu riskieren, hinterlässt bei mir wieder mal gemischte Gefühle. Einerseits staune ich über die prunkvolle und wirklich wunderschöne Inneneinrichtung. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch die geknechteten Leibeigenen, die früher wie Zitronen ausgepresst wurden, um diesen Prunk bezahlen zu können. Alles natürlich nur zum Lobe Gottes.

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Ursprünglich hatte ich mir ja vorgenommen, auf dieser Wanderung komplett offline zu gehen und als Pilger im Kloster zu übernachten, aber mein zwiespältiges Verhältnis zur katholischen Kirche bewegt mich dann doch dazu, auf booking.com ein Zimmer zu suchen und mir von Tripadvisor ein Restaurant empfehlen zu lassen. Beide enttäuschen mich nicht, und ich kann sowohl das Hotel St. Georg, wo ich ein sehr schönes Zimmer zu einem tollen Niedrigstsaison-Preis bekomme, als auch das Restaurant Klostergarten wärmstens weiterempfehlen. Dort gibt es angeblich die beste Pizza der Schweiz, und ich muss gestehen, dass ich mich nicht erinneren kann, jemals eine bessere Pizza gegessen zu haben!