Auf dem Jakobsweg über die Haggenegg von Einsiedeln nach Schwyz.

Bevor ich mich in Einsiedeln auf den Weg mache, kaufe ich noch Sonnencreme, denn die hab ich zuhause vergessen Heute werde ich die sicherlich brauchen. Der Dunst von gestern ist weg und die Sonne strahlt am Morgen schon so, als wollte sie mich einladen, ihr zu folgen. Das tu ich dann auch, laufe auf dem Jakobsweg der Sonne entgegen und freue mich auf alles, was ich heute erleben werde.

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Mit kaum merklicher Steigung folgt der Weg dem Alpbach. Neben mir liegen die Reste einer Langlaufloipe und eine Kuh beschwert sich über zu viel Müll.

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Immer wieder komme ich an kleineren und grösseren Höfen, die schöne Bildmotive abgeben, vorbei. Doch die beiden Dörfer, durch die ich der Weg führt, sind nicht sonderlich fotogen.

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Wie von alleine laufen meine Füsse und ohne Rast komme ich nach ca. 9 km an eine Abzweigung weg vom Tal, hinauf in die Berge. Nach einer kleinen Stärkung präpariere ich mir noch einen Stock, denn schon auf den ersten 100 m geht es sehr steil über ein vereistes Schneefeld.

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Das kann ja heiter werden denke ich mir noch und hoffe insgeheim, dass Schnee und Steigung nachlassen. Zwar gibt es immer wieder mal ein paar weniger steile Passagen und ab und zu ist der Weg auch schneefrei, doch dieser Aufstieg wird wohl für immer als Schneetour in meiner Erinnerung bleiben.

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Mit Schneeschuhen wäre alles kein Problem gewesen, doch die hab ich nun mal nicht und freue mich umso mehr über meinen Stock. Immer wieder breche ich in den Schnee ein, doch irgendwie macht es mir kaum etwas aus. Ich bin wieder im Flow, stampfe gemächlich weiter und geniesse den wunderbaren Ausblick auf die Mythen, der mit jedem Schritt nach oben schöner wird.

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Als Krönung des Tages muss ich schliesslich noch ein Skigebiet queren. Auf den Pisten läuft es sich sehr angenehm, doch meine Marschrichtung verläuft quer dazu. Zwischen den Pisten breche ich andauernd knietief ein, doch auch das regt mich irgendwie nicht auf. Das einzige was wirklich stört ist die Helligkeit, denn ich habe keine Sonnenbrille dabei. Mit zugekniffenen Augen und weit nach unten gezogenem Schild meiner Kappe schaue ich mir also meine Füsse an und kann das schöne Panorama kaum geniessen.

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Doch auch das ist bald überstanden, und ich stehe auf der Haggenegg, dem Pass zwischen Alpbachtal und Vierwaldstätter See. Das Tal liegt im Dunst, doch der Blick auf die beiden Mythen ist von hier aus einfach nur Sensationell.

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Nachdem ich mich mit einer Suppe gestärkt habe, geht es weiter, doch der Pilgerpfad ist auch auf dieser Seite sehr steil und grösstenteils schneebedeckt. Ich hab genug Schnee gesehen heute, und beschliesse deshalb auf der Strasse ins Tal zu laufen.

Kurz hinter der Passhöhe komme ich an einer kleinen Kapelle vorbei, die komplett aus Holz gebaut ist. Sie erinnert mich, besonders im Inneren, ein bisschen an norwegische Stabkirchen.

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Die 1000 m Abstieg haben es auch auf der Strasse in sich. Meinen Knieen und Füssen gefällt es nicht besonders gut, aber irgendwie geht es doch und unterwegs gibt es viel zu sehen, vorallem Bauern, die sich sehr viel Mühe damit geben, Luft und Landschaft mit Gülle verschönern zu wollen. Auch die Strasse verschonen sie mit ihren Bemühungen nicht, aber was solls, ich hab’s ja bald geschafft und bin dann schon ein bisschen stolz, als ich nach knapp 20 km endlich in Schwyz ankomme.

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Der Ort ist viel kleiner als ich erwartet hatte, und nach einem kurzen Rundgang nehme ich kurzentschlossen den Bus ins 5 km entfernte, malerisch am See gelegene Brunnen. Dort ist auch die Auswahl an Unterkünften grösser. Booking.com ist heute wieder mein Freund, und bietet mir nicht in Brunnen, sondern in Beckenried auf der anderen Seeseite ein tolles Hotel zu einem noch tolleren Preis an. Da das Kursschiff gerade einläuft, als ich mit dem Bus ankomme, gibt es nichts mehr zu überlegen und so komme ich zum Abschluss dieser Etappe noch zu einer kleinen Kreuzfahrt auf dem Vierwaldstätter See.

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Dank Niedrigstsaison bekomme ich im sehr empfehlenswerten Nidwaldnerhof ein wunderschönes Superior Doppelzimmer mit Balkon zum See zum Preis eines Einzelzimmers zur Bergseite. Was will man mehr? Ein gutes Abendessen vielleicht? Auch das hab ich an diesem wunderbaren Tag bekommen. 🙂