Als erfahrener Motorradfahrer, der jedes Jahr tausende Kilometer auf Alpenpässen abspult, habe ich gelernt, dass sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 88,42% das Fahrkönnen eines Autofahrers umgekehrt proportional zum Produkt aus Marktwert, Exclusivität, Motorleistung und Felgengrösse des Fahrzeugs verhält. Oder einfacher gesagt: In neun von zehn dicken Autos, denen man auf einem Pass begegnet, ist die Person hinterm Steuer mit dem Auto und/oder der Strecke überfordert. 😉

Nun bin ich heute dummerweise im Oberengadin mitten in eine Ferrari-Rallye geraten. Millionenwerte unterwegs in Richtung Unterengadin. Zwar gab es einige Chancen, bei denen ich gleich an mehreren der Boliden vorbeiziehen konnte, doch als der Corso dann nicht wie gehofft, in Zernez zum Ofenpass abbog, sah ich schwarz für den Spass auf dem Flüela. Vor meinem geistigen Auge tuckerte ich schon mit 20-30 km/h – eingeklemmt zwischen zwei Ferraris – über den Pass. 

Am Ortsausgang von Susch kam es dann noch schlimmer als befürchtet. Vor den beiden ersten ca. 160°-170° Kurven musste ich jeweils anhalten und zuschauen, wie die Herren Rennfahrer ihre Supersportwagen weit ausholend mit Schrittgeschwindigkeit durch die  top-ausgebauten Kehren dirigierten. Ein grandioses Schauspiel.

Da es den Fahrern offensichtlich auch nicht geläufig war, dass man aus einer Kurve heraus oder zumindest danach wieder beschleunigen kann, gelang es mir, vor den nächsten Spitzkehren an weiteren vier der fahrbaren Strassensperren vorbeizufahren. Jetzt hatte ich nur noch das Begleitfahrzeug (Ford Transit) vor mir. Doch gemäss der eingangs beschriebenen Arminschen Alpenfahrerformel, sass hier ein ausgezeichneter Fahrer am Steuer, sodass ich immerhin einigermassen flüssig durch die vier Kehren wedeln konnte.

An der nächsten übersichtlichen Stelle konnte ich schliesslich auch den Racing-Transit überholen und hatte den Pass dann fast ganz für mich alleine 🙂 …

… allerdings nur so lange, bis ich selbst für einen SuperMoto Fahrer und eine Lotus Elise zum Verkehrshindernis wurde, was allerdings zum Teil auch deren sehr grosszügiger Auslegung des Tempolimits vom 80 km/h geschuldet war. 🙂

 


 

Liebe Pseudo-Rennfahrer, statt Alpenpässe zu verstopfen, empfehle ich euch, nach Deutschland zu fahren. Dort könnt ihr auf der A7 von Kempten bis zur dänischen Grenze 960 km gerade aus fahren und braucht euch nicht in Kurven zu blamieren.

Falls ihr jedoch wegen der Landschaft lieber in die Berge wollt, dann chartert euch einen Reisebus. Der fährt schneller als ihr, man sitzt wahrscheinlich bequemer als im Ferrari und die Aussicht ist auch besser. 😉