Der Oberalb ist offen, und das schon ab 12 April! Also nix wie hin zur ersten grossen Passfahrt der Saison. Dummerweise ist am Karfreitag die halbe Schweiz und ein Drittel Deutschlands unterwegs gen Süden und deshalb ist nicht nur die Gotthardstrecke verstopft, sondern alle anderen Nord-Süd-Routen auch. Wass also tun, wenn zwischen Chur und Reichenau ein Stau mit 45 Minuten Verzögerung gemeldet ist?

Schon die Römer hatten eine Ausweichroute für den Fall, dass die Strecke am Rhein wegen Hochwassers nicht passierbar war. Glücklicherweise gibt es diesen Weg immer noch, und er ist gegen Entrichtung eines (digitalen) Wegezolls auch legal mit Motorfahrzeugen befahrbar.

nach Valans

Zunächst geht es natürlich auf der – von Bad Ragaz aus gesehen – wunderschönen rechten Talseite auf der engen, kleinen Strasse in Richtung Valens. Diese Strasse wird nach der Eröffnung der längsten Bogenbrücke der Schweiz in Juni 2017 für den Verkehr geschlossen. Sie muss also noch genutzt werden, solange es noch geht.

Bis zum Mapraggstausee geht es auf dieser Talseite mit einen tollen Blick auf die weniger bekannte Rückseite des Calanda weiter.

Calandablick

Über ein paar nette Kehren vor und nach der Staumauer kommt man zur aus Pfäffers kommenden Hauptstrasse und dann rechts ab weiter nach Vättis.

Staumauer

In Vättis ist der Weg zum Kunkels nach Links ausgeschildert. Die Strasse wird schmaler und auch teilweise schlechter, aber daran hat wohl kaum ein Endurist etwas auszusetzen.

Über mehrere Kilometer fahre ich nun durch eine sanft ansteigende Wiesenlandschaft mit vereinzelt stehenden Häusern oder Hütten, bis es dann irgendwann kurz vor der Passhöhe nochmals steil und kurvig durch einen Wald geht.

Hinter dem Scheitelpunkt fängt es dann langsam an interessant zu werden. Aus Asphalt wird Schotter und die sanfte Landschaft wird zusehends wild und steil. Kein Wunder, führt die Route doch hier durch die östlichen Ausläufer der Rheinschlucht.

Und das merkt man besonders eindrücklich, wenn man nach einer Rechtskurve plötzlich vor dem beeindruckenden Eingang eines grob ins weiche Gestein gehauenen Tunnel steht, der mehrmals zur Talseite hin geöffnet ist und von dort spektakuläre Aussichten in die steile Schlucht bietet.

Tunnel

Nach dem Tunnel baut man auf einem teilweise ungeteerten Weg mit langen Geraden und engen Serpentinen schnell Höhe ab und kann (wenn man sich denn traut) bei zwei der Kehren auf der steileren Mountainbikespur abkürzen. 

Kurz vor Tamins geht es dann nochmals durch flacheres malerisch scheinendes Wiesengelände mit vereinzelten Bäumen.

Für mich war dies die erste Befahrung in Nord-Süd Richtung. Für’s Auge hat diese Richtung mehr zu bieten, aber fahrerisch ist die Süd-Nord Variante sicherlich interessanter. Mir machen Naturstrassen jedenfalls bergauf mehr Spass als bergab und deshalb ist der Kunkels letztes Jahr quasi zu meiner Standardstrecke auf dem Heimweg aus der Surselva geworden.